Galerie Wedding

Die Mine gibt, die Mine nimmt

*English version below

04.12.2020 bis 06.02.2021

Eine Ausstellung mit Arbeiten von Ana Alenso
kuratiert von Solvej Helweg Ovesen

Im Rahmen des Ausstellungsprogramms
SoS (Soft Solidarity)
konzipiert von Nataša Ilić und Solvej Helweg Ovesen

Ausstellungsbeginn
am 03.12.2020 von 12 bis 21 Uhr

03.12.2020 um 19 Uhr (online)
Wandersalon on Air:
Ana Alenso im Gespräch mit Anna Dobelmann, Politik- und Sozialwissenschaftlerin
Eine Veranstaltung in Zusammenarbeit mit Urbane Künste Ruhr
Moderiert von Christina Danick (UKR) und
kommentiert von Kuratorin Solvej Helweg Ovesen (GW)

Gold, Kupfer, Diamanten und Coltan. Ressourcen können ein Fluch sein. Dies zeigt sich unter anderem durch Bergbau, der die Menschheit erodiert auf existentieller Ebene. Die südamerikanische Diaspora in Berlin macht sich Sorgen um die Situation in Venezuela. Die Mine ist hier nicht nur eine Ressourcen-Grube, sondern nimmt der Natur und den Menschen vor Ort dauerhaft die Lebensgrundlage weg.Wie können wir uns aus Berlin mit der südamerikanischen Diaspora und mit Venezuela in Bezug auf die Folgen des Ressourcenfluchs solidarisch zeigen?

Die Solo-Ausstellung von Ana Alenso beschäftigt sich mit dem Zusammenhang zwischen dem Ressourcenreichtum, z.B. hier konkret Gold, und der langjährigen Krise vor Ort in Venezuela. Alenso entwickelt eine skulpturale Landschaft, in welcher die Mechanismen und Folgen des Bergbaus als Zeichen von Selbstzerstörung oder anthropozentrischem Modus Operandi sichtbar werden. Es geht der Künstlerin darum, “einen Ökozid anzuprangern”. Die Widersprüche und Unsicherheiten durch wirtschaftliche Turbulenzen und der permanente Export von Ressourcen werden als skulpturale “Maschine” ästhetisch, haptisch in den Ausstellungsraum formuliert.

In Ländern wie Venezuela, die dem sogenannten “Fluch der Ressourcen“ ausgesetzt sind, wie Richard Auty, Professor in Ökonomischer Geografie (Lancaster Universität) 1993 das Phänomen nannte, führt der Überfluss an natürlichen Ressourcen paradoxerweise zu Elend. Dies trägt nur zur Tatsache bei, dass die Rohstoffpolitik im lateinamerikanischen Kontext in einem Netz von Mächten aufrechterhalten wird, das in ihrer kolonialen Vergangenheit verankert ist. Insbesondere Länder wie Venezuela sind davon betroffen. Hier existieren tiefe politische, soziale und ideologische Wunden nebeneinander. Die Verantwortung für diese Ausbeutung tragen wir in einer Großstadt wie Berlin mit, wenn wir Produkte aus Metal konsumieren oder unsere Augen vor den toxischen Effekten des Bergbaus verschließen. Wie können wir heute – durch unsere eigenen Handlungen lokal in Berlin – aber zur Regeneration von solchen Krisengebieten beitragen?

„Um die mit dem Bergbau verbundene ökologische Zerstörung zu reflektieren, ist es notwendig, diese nicht nur auf geographischer Ebene, sondern auch auf existentieller Ebene zu verstehen. Im Amazonasgebiet bedeutet Zerstörung mehr als die Verschmutzung von Flüssen, die Vernichtung endemischer Pflanzen, die Ermordung von Tieren und indigener Völker.
Wie kann Kunst diesem Zerstörungsprozess einen fruchtbaren Dialog mit der Zukunft entgegen setzen? Oder wird eher ein Dialog mit dem Tod angestrebt?“  Ana Alenso, 2020

Das Wiederaufleben des Goldfiebers im venezolanischen Amazonas ist Ausgangspunkt für Alensos Projekt und die Arbeit der Umweltorganisation SOS Orinoco, die bei der Recherche des Kunstprojekts mitwirkte. Die Gier – geweckt durch die Ausbeutung von Mineralien von hohem wirtschaftlichem Wert, von leichter Ausbeutung, von geringer Nachvollziehbarkeit bei Handel und Konversion, angezogen von Gold, Diamanten und Coltan – hat ein kriminelles System gefördert. Ein System, das von staatlichen Autoritäten zu ihrem persönlichen Vorteil entworfen und verwaltet wird, und das Verschwinden der Institutionalität erfordert. Die Realität ist, dass dieser Bergbau die absolute Gewalt entfesselt. Sie basiert auf der Verletzung von Menschenrechten, der Zerstörung von indigenen Völkern und Kulturen, der Zerstörung von Ökosystemen und Schutzgebieten, was zur Zersetzung des sozialen Gefüges geführt hat, und letztendlich zu einem Verlust der Souveränität der Republik. Die Souveränität Venezuelas wurde so durch internationale bewaffnete Gruppen ersetzt. In der Ausstellung “Die Mine gibt, die Mine nimmt” werden prekäre Bauwerke und Industrieabfälle zu Diskussions- und Kontemplationsplattformen für ein lokales Publikum in Berlin. Das Begleitprogramm zur Ausstellung bietet Gelegenheit, die Problematik des Bergbaus aus einer lokalen und globalen Perspektive zu vertiefen. Dabei eröffnen die Künstlerin und das Team der Galerie Wedding einen Dialog mit verschiedenen Kollaborator*innen der künstlerischen und ökologischen Recherche. Unter ihnen sind Mitglieder des Aktivist*innen Kollektivs SOS Orinoco, die Dokumentarfilmerin Alexandra Henao und die Wissenschaftlerin Anna Dobelmann.

Die Installation „Die Mine gibt, die Mine nimmt“ wurde produziert von Urbane Künste Ruhr für das Ruhr Ding: Klima 2021.

BITTE BEACHTEN: Für die Ausstellung gelten die aktuellen Hygienevorschriften. Es dürfen sich max. 5 Besucher*innen
zur gleichen Zeit im Ausstellungsraum aufhalten. Bringen Sie bitte Ihren eigenen Mundschutz mit.

Das Programm findet unter Vorbehalt eventueller Änderungen im Zusammenhang mit den geltenden Pandemieregelungen statt. Aktualisierungen werden stets auf der Website der Galerie Wedding und Social Media veröffentlicht.

***

The mine gives, the mine takes

04.12.2020 until 06.02.2021

An exhibition by Ana Alenso
curated by Solvej Helweg Ovesen

Within the frame of the exhibition program
SoS (Soft Solidarity),
conceived by Nataša Ilić and Solvej Helweg Ovesen

On display from 03.12.2020
from 12am to 9pm


03.12.2020 at 7 pm (online)
Wandersalon on Air:
Ana Alenso in conversation with Anna Dobelmann, political scientist
An evening in collaboration with Urbane Künste Ruhr
Moderated by Christina Danick (UKR) and
commented by curator Solvej Helweg Ovesen (GW)

Gold, copper, diamonds and coltan. Resources can be a curse. Mining can can be seen as an image of the erosion of humanity on an existential level. The South American Diaspora in Berlin has is concerned about the situation in Venezuela. Here, the mines are not just a well of resources – they are permanently robbing the surrounding environment and the local population of their livelihood. How can we in Berlin show solidarity with the South American diaspora and with Venezuela with regard to the consequences of mining?

Ana Alenso’s solo exhibition deals with the connection between the wealth of resources, in this case especially gold, and the longstanding crisis on the ground in Venezuela. Alenso presents a sculptural landscape in which the mechanisms and consequences of mining are revealed as signs of self-destruction and as an anthropocentric modus operandi. The artist is concerned with „denouncing an ecocide“. The contradictions and uncertainties caused by economic turbulence and the permanent export of resources are translated to the exhibition space aesthetically and haptically in a sculptural „machine“. 

Countries like Venezuela are especially affected by the “resource curse”, a term coined in 1993 by Richard Auty, Professor of Economic Geography (Lancaster University) to describe the phenomenon in which the abundance of natural resources paradoxically leads to misery. This only adds to the fact that in the Latin American context, the politics of the extraction of raw materials is formed by a network of powers rooted in its colonial past. Countries like Venezuela are particularly affected. Here, deep political, social and ideological wounds coexist. We share the responsibility for this exploitation in a big city like Berlin when we use metal productsor turn a blind eye on the toxic consequences of mining. But how can we today – through our own actions locally in Berlin – contribute to the regeneration of such crisis areas?

“In order to reflect on the environmental destruction associated with mining, it is necessary to understand it not only on a geographical level, but also on an existential level. In the Amazon region, destruction means more than the pollution of rivers,the extermination of endemic plants and the murder of animals and Indigenous peoples.
Can art counter this process of destruction by engendering a fruitful dialogue with the future? Or does it rather aim at a dialogue with death?” 
Ana Alenso, 2020

The resurgence of gold fever in the Venezuelan Amazon is the starting point for Alenso’s project and the work by the environmental organisation SOS Orinoco, who collaborated on the research for the project. Greed – born out of the extraction of minerals such as gold, diamonds and coltan that have a high economic value and are easily exploited but not easily traced in trade and conversion – has fostered a criminal system. A system designed and managed by state authorities for their own personal benefit, and which requires the disappearance of institutionalism. The reality is that mining unleashes absolute violence. It is based on the violation of human rights, the destruction of Indigenous peoples and cultures and the destruction of ecosystems and protected areas. It has led to the disintegration of the social fabric and ultimately to the loss of the sovereignty of the Republic. Venezuela’s sovereignty has been replaced by international, armed groups.

In the exhibition „The mine gives, the mine takes“, precarious buildings and industrial waste become platforms for discussion and contemplation for a local audience in Berlin. The programme accompanying the exhibition offers an opportunity to explore the problems of mining from a local and a global perspective. In this frame, the artist and the Galerie Wedding team will enter into dialogue with their various collaborators in artistic and ecological research. Among them are members of the activist collective SOS Orinoco, the documentary filmmaker Alexandra Henao and the scientist Anna Dobelmann.

The installation „Die Mine gibt, die Mine nimmt“ was produced by Urbane Künste Ruhr for das Ruhr Ding: Klima 2021.

PLEASE NOTE: The current hygiene regulations apply to the exhibition. A maximum of 5 visitors may enter the exhibition space at the same time. Please bring your own face covering.

The program is subject to possible changes in connection with the current pandemic regulations. Updates will always be published online.

Wandersalon On Air: Ana Alenso & Anna Dobelmann

Online Event mit Ana Alenso

03.12.2020

Galerie Wedding