Galerie Wedding

IN NOBODY’S SERVICE

*English version below

ที่นี่ไม่เปิดให้บริการ

Sa Serbisyo sa Walang Sinuman

08.03. bis 18.05.2024

Eröffnung am 07.03.2024 von 17 bis 22 Uhr

Eine Ausstellung von Sarnt Utamachote & Wisanu Phu-artdun, Rosalia Namsai Engchuan, Natthapong Samakkaew, Jasmin Werner, Mon Sisu Satrawaha, Bussaraporn Thongchai und Krisanta Caguioa-Mönnich. 

Künstler*innen des Programms Kollektiv Gabriela Germany, Ban Ying Unterkunft und Beratungsstelle für migrantische Frauen*, Raksa Seelapan, Fah Passion-Asasu, Liad Hussein Kantoworicz, Analie Gepulani Neiteler & Anika Baluran Schäfer, Sine Plambech & Sommai Molbaek, Stefanos Tai, Susanne Wycisk, Vijitra Kunawut

Kuratiert von Sarnt Utamachote als Teil des Ausstellungsprogramms POLY 2024 in der Galerie Wedding

In Zusammenarbeit mit Woche gegen Rassismus, Thaispora Podcast, Sinema Transtopia, Ban Ying Berlin und Gabriela Germany

Was ist Pflege, wenn sie sich von den Kund*innen abwendet und zu den Anbieter*innen selbst zurückkehrt? 

Das Projekt nimmt die extrem gewalttätigen Klischeebilder, die insbesondere auf thailändische und philippinische Frauen und queere Körper projiziert werden, als seinen Ausgangspunkt. Einige von uns wurden bei der Beantragung eines Visums gefragt, ob wir mit einem deutschen Mann verheiratet seien, andere wurden als »Frauen aus dem Katalog«, wieder andere als »Prostituierte« oder »Dienstmädchen« bezeichnet. 

Diese rassistischen Ausdrücke haben uns, das Kollektiv un.thai.tled, dazu veranlasst, uns mit solchen Geschichten und – leider – auch mit der Realität unserer »Schwestern« und »Tanten« auseinanderzusetzen. Ein Forschungsstipendium der Akademie der Künste im Jahr 2022 ermöglicht es uns, unsere bereits begonnene Zusammenarbeit mit der thailändischen Anwohnerschaft am Preußenpark (»Thai Park«, Berlin) fortzusetzen. 

Das Ergebnis ist die Ausstellung und das Programm IN NOBODY’S SERVICE als integraler Teil des POLY-Programms der Galerie Wedding mit einem multidisziplinären, polysemischen Fokus auf Geschichtsschreibung, Arbeit, Liebe und Fürsorge in der zeitgenössischen Kunstpraxis.

Die Migrationsgeschichten aus Thailand und den Philippinen in den Westen sind von den amerikanischen Einflüssen und der Kolonialisierung der Region geprägt. Sie sind die direkte Konsequenz der Präsenz von Militärbasen der weißen Kolonisatoren in den jeweiligen Ländern, mitsamt ihrer Begierden, welche die geschlechtsspezifische Migration, die sich über die Jahre entwickelt hat, maßgeblich mitbedingen.

Im Zuge der sich hierzu parallel entwickelnden Interessen Westdeutschlands am Tourismus und dem Austausch an Arbeitskräften – in der Sex-, Pflege- und Reproduktionsindustrie – entstanden beispielsweise Heiratsagenturen in Berlin (die einen prospektiven Ehemann mit einer potenziellen Ehefrau zusammenbrachten) oder billige Dienstmädchenagenturen in Entwicklungsländern sowie Bordelle und Massagesalons in Frankfurt am Main und Hamburg. Hier wurden unsere Körper zu bloßen »Dienstleistungserbringern« gemacht – was notgedrungenermaßen zu Fragen wie denen bei der Visumbeantragung führt.

Sind wir »diese Art Frau«?

Gleichzeitig sehen wir aber auch in eben diesen, uns unterdrückenden Räumen das Potenzial und die Möglichkeit, sie in Orte der Fürsorge, des Trostes und des Wissens umzugestalten. Das Projekt IN NOBODY’S SERVICE zielt darauf ab, diese Vergangenheit, die mit unserer Gegenwart eng verbunden ist, als Material für eine künstlerische Zusammenarbeit mit unseren »Schwestern« und »Tanten« zu nutzen. Durch das Hervorheben der nicht-biologischen Verwandtschaft und unserer Beziehungshaftigkeit versuchen wir, uns auf die Gemeinsamkeiten in unseren Kämpfen und die daraus entstandene Empathie zu konzentrieren. Wir entstigmatisieren für uns diesen Dienstleistungssektor (einschließlich der Sexarbeit), nehmen ihm seine negativen Konnotationen und ergreifen die Chance, unsere Rechte auf Heilung und dauerhafte Befreiung zurückzufordern.

Wenn »jene Art« und »diese Art« zusammenkommen, dann sind wir unschlagbar.

An der Schnittstelle von Klasse, Geschlecht, Sexualität und – wenn man so sagen darf – Träumen würdigt IN NOBODY’S SERVICE den sich neu geformten Realitäten jenseits ihrer weißen Ehemänner oder der gesellschaftlichen Verhältnisse – jetzt für uns verfügbar, jetzt in niemandes Diensten. 

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IN NOBODY’S SERVICE

ที่นี่ไม่เปิดให้บริการ

Sa Serbisyo sa Walang Sinuman

An exhibition by: Sarnt Utamachote & Wisanu Phu-artdun, Rosalia Namsai Engchuan, Natthapong Samakkaew, Jasmin Werner, Mon Sisu Satrawaha, Bussaraporn Thongchai and Krisanta Caguioa-Mönnich. 

Program Artists: Collective Gabriela Germany, Ban Ying shelter house and consultant service for migrant women, Raksa Seelapan (with Fah Passion-Asasu, Liad Hussein Kantoworicz), Analie Gepulani Neiteler & Anika Baluran Schäfer, Sine Plambech & Sommai Molbaek, Stefanos Tai, Susanne Wycisk, Vijitra Kunawut

Curated by Sarnt Utamachote as part of the exhibition program POLY 2024 at Galerie Wedding

In collaboration with Week Against Racism, Thaispora Podcast, Sinema Transtopia, Ban Ying Berlin and Gabriela Germany

What is care, if turned away from the customers, back to the providers themselves? 

The project departs from the extremely violent cliché images that are projected on especially Thai and Filipina women and queer bodies. Some of us have been asked »are you married to a German guy? « during our visa application, some have been called »women from the catalogue«, some »prostitute«, some »maids«. These racist words triggered us, collective un.thai.tled, to dig deeper into such histories and, unfortunately, the realities of our »sisters and aunties«. A research grant by Akademie der Künste in 2022 therefore allows us to continue our trajectory from previous engagement with the Thai community in Preußenpark (»Thai Park«, Berlin). The result is the exhibition and programme IN NOBODY’S SERVICE, as part of the POLY programme of Galerie Wedding, focusing on a multidisciplinary polysemic approach to history writing, labour, love, and care in contemporary arts practice. 

Migration histories from Thailand and Philippines to the West have been shaped by American influences and colonisation in the region and entangled the white colonisers’ military bases and their desires with the conditions of gendered migration after. With West Germany’s parallel interests in tourism and developing labour exchanges – of sex, care and the reproductive industry, it gave birth to, for example, the marriage agencies in Berlin (that linked husband and wife together), or cheap maid agencies across developing countries, the brothels and massage salons in Frankfurt am Main and Hamburg. Here our bodies have been rendered to mere »providers« – resulting in questions like the ones posed at the visa application centre.

Are we »that kind of woman«?

At the same time, we also recognise that these oppressive spaces can be subverted into places of care, comfort, and knowledge. This project aims to allow such a past now entangled in our present to be our material for artistic collaboration with our »sisters and aunties«. Highlighting the non-biological kinship and relationality, we attempt to focus on the proximity of common struggles and empathy that arose. De-stigmatizing this service sector (including sexwork) and its negative connotations on us, we take this as a chance to reclaim our rights to healing and temporal liberation.

When »that kind« and »this kind« come together, then we are unbeatable.

Via the intersection of class, gender, sexuality, and – if we may say – dreams, IN NOBODY’S SERVICE recognises the carved-out realities beyond the realms of their white husbands or social conditions – now available for us, now in nobody’s service.

IN NOBODY'S SERVICE, Galerie Wedding Photo: Benjamaporn Rattanaraungdetch

IN NOBODY'S SERVICE, Galerie Wedding Photo: Benjamaporn Rattanaraungdetch

IN NOBODY'S SERVICE, Krisanta Caguioa-Mönnich 'Things That Smell Like Home' 2019, Galerie Wedding Photo: Benjamaporn Rattanaraungdetch

IN NOBODY'S SERVICE, Krisanta Caguioa-Mönnich 'Me in the midst of changing times and societies' portrait series 2019, Galerie Wedding Photo: Benjamaporn Rattanaraungdetch

IN NOBODY'S SERVICE, Galerie Wedding Photo: Benjamaporn Rattanaraungdetch

IN NOBODY'S SERVICE, Galerie Wedding Photo: Benjamaporn Rattanaraungdetch

Kurator*innenführung und Performance

21.03.2024

Eröffnung

IN NOBODY'S SERVICE

07.03.2024

IN NOBODY’S SERVICE

Veranstaltungsprogramm

Galerie Wedding