»In Heterotopien der Tinte« mit Inana Othman & Ahmad Agouz

Lesung mit musikalischer Begleitung
Fr, 26. Juni, 18 Uhr

Zwischen den Zeilen lagern Stimmen. Unter der Haut ruhen Archive. In den Rissen der Erinnerung sammeln sich Bilder, Gerüche, Namen und Sprachen, die kein staatliches Gedächtnis bewahren kann. Begleitet von Oud-Klängen sowie Fragmenten aus Bild, Ton und Bewegung führt Inana Othman durch poetische Räume entlang der Spuren des Vermissten: den Blicken eines inhaftierten Vaters, den Liedern einer Großmutter, den Händen einer schweigenden Mutter, den Bruchlinien einer Exilsgeologie. Zwischen den Gefängnissen Syriens und den Asylheimen Deutschlands, zwischen mesopotamischen Mythen und kosmischen Vorstellungswelten erscheint Erinnerung als lebendige Kraft – eingeschrieben in Körper, Narben und Sprache. Es entsteht ein vielstimmiges Gegenarchiv aus Klang, Bild und Wort, in dem das Gedicht zur vorübergehenden Heimat wird und das Verschwundene weiteratmet

Voices are stored between the lines. Archives rest beneath the skin. In the cracks of memory, images, smells, names and languages gather that no state memory can preserve. Accompanied by the sounds of the oud and fragments of image, sound and movement, Inana Othman leads us through poetic spaces along the traces of the missing person: the glances of an imprisoned father, the songs of a grandmother, the hands of a silent mother, the fault lines of an exile geology. Between the prisons of Syria and the asylum homes of Germany, between Mesopotamian myths and cosmic imaginative worlds, memory appears as a living force – inscribed in bodies, scars and language. A polyphonic counter-archive of sound, image and word is created, in which the poem becomes a temporary home and the disappeared continues to breathe.