Galerie Wedding

UP – Unsustainable Privileges Symposium / Emeka Ogboh »BEAST OF NO NATION«

26. – 29. September 2018

Ein Symposium mit Paul Mecheril, Millay Hyatt, Noa Ha, Bonaventure Soh Bejeng Ndikung, Natasa Ilic, Jelena Bäumler, Antonia Alampi, Solvej Helweg Ovesen, Suza Husse, María do Mar Castro Varela, Carrie Hampel, Regina Römhild, Emeka Ogboh, Jonas Tinius und Präsentation des neuen Weddinger Bier- und Werbeprojekts von Emeka Ogboh im Rahmen des Ausstellungsprogrammes  UP – Unsustainable Privileges von Solvej Helweg Ovesen und Bonaventure Soh Bejeng Ndikung in der Galerie Wedding – Raum für zeitgenössiche Kunst

DE Konzept – UP Symposium
EN Concept – UP Symposium

Welche aktuellen Handlungsoptionen und Theorien der Neuverteilung von Privilegien gibt es oder entstehen gerade in Politik, Kultur und Recht? In dem dreitägigen Symposium UP – Unsustainable Privileges liegt der Fokus sowohl im Kunstkontext als auch in der Vermittlung und im Diskurs auf politischer Selbstreflexion. Wo können Fortschritte hinsichtlich einer progressiven, kritischen Zukunft erzielt werden, um sich den längst überholten Strukturen der intersektionalen Privilegien zu widersetzen? Wie kann zeitgenössische Kunst zu der Schaffung neuer Möglichkeitsräume und zu realen Macht-Relativierungen beitragen? Während des Symposiums werden unhaltbare Privilegien, die sich durch Mechanismen und Strukturen des Kapitalismus, des Patriarchats und des Rassismus (bzw. Weißsein als Norm) seit Jahrhunderten selbst erhalten, auf ihre Intersektionalität hin beleuchtet.

»Mit diesem Symposium möchten wir daher folgende Frage stellen: Wie können wir aus dem System, beziehungsweise der Situation heraus und zugleich darüberhinausgehend, kritisch über Privilegien nachdenken und dementsprechend handeln? (…) Das UP Symposium ist der Versuch der Selbstreflexion und der Bemühung, von innen heraus zu sprechen – aus der Nähe und nicht von Weitem. In der Galerie Wedding beschäftigen wir uns mit dem Thema der unhaltbaren Privilegien und Vorstellungen möglicher Umverteilung seit 2015 in unserem Ausstellungs- und Diskursprogramm – sei es in Bezug auf Ethnizität, Bildung, Rechtsprechung, nationaler oder gastro-politischer Privilegien.«
Solvej Helweg Ovesen – Auszug aus dem Konzept zum Unsustainable Privileges Symposium

Kunstprojekt: Das Afrikanische Bier Laboratorium

Parallel zum Symposium werden Privilegien in Bezug auf nationale Zugehörigkeit künstlerisch verschoben und umgesetzt: in Emeka Ogbohs neuem Weddinger Bier- und Werbeprojekt BEAST OF NO NATION. In Anschluss an »Original Sufferhead«, 2015, hat der Künstler nun ein zweites Bier in Zusammenarbeit mit der Galerie Wedding gebraut. Das Projekt wurde auch dieses Mal von Bonaventure Ndikung und Solvej Helweg Ovesen kuratiert. Das in der lokalen Brauerei »Schneeeule« hergestellte Bier, »BEAST OF NO NATION«, ist das Ergebnis einer Zusammenführung von Ort und Raum in dem die Wahrnehmung und Erfahrung von Klang, Geschmack und Geruch des Berliner Stadtteils Wedding Ausdruck findet. Das Bier mit einem säuerlichen Charakter beruht auf der Auswertung lokaler Umfragen zum Geschmack vom Wedding und wird über den Sommer gebraut und erstmals zum UP Symposiums am 26. September präsentiert. »There is a tartness to Wedding.« »Dirtier, tighter«. »It’s a chubby man in a tank top, but not ugly.« »Wedding is Shameless.« »Angry German ladies with dyed red hair. I defend Wedding’s right to be messy.« – sind nur einige der Ergebnisse aus der lokalen Recherche. Der Titel ist Ausdruck der Freiheitsliebe, die die gemischte Bevölkerung im Bezirk empfindet. Aus diesem Grund ist die Bier-Präsentation mit einem anthropologisch fundierten Gespräch zum Thema Gastro-Politik, Weddinger Demografie und »Gustemologie« (Begriff aus der Anthropologie: Weltanschauung durch Geschmack) verbunden.

Symposium: UP – Unsustainabel Privileges

Das Konzept zum Symposium wurde parallel zum Bierprojekt von einer Arbeitsgruppe bestehend aus Bonaventure Soh Bejeng Ndikung, Solvej Helweg Ovesen, Kathrin Pohlmann, Jonas Tinius und Julia Zieger entwickelt. Darin lautet eine zentrale Frage: Wie können wir uns, als Privilegierte, als Kulturschaffende, Kulturvermittler und öffentliche Kulturinstitution innerhalb unseres Programms, sowie als Einzelpersonen, mit Privilegien des Weiß-seins, mit patriarchischen oder ökonomischen Strukturen kritisch auseinandersetzen und geeignete Dynamiken der Selbstwahrnehmung entwickeln? Im Rahmen des Symposiums möchten wir uns diesen Fragen aus kuratorischer und wissenschaftlicher Perspektive nähern. Das Symposium ist in drei Blöcke aufgeteilt, die wie folgt eingeleitet werden. Weitere Details zum Programm sowie das Konzept können hier nachgelesen werden.

Das Symposium wird ermöglicht durch die Spartenoffene Förderung der Senatsverwaltung für Kultur und Europa.
Vielen Dank an die Schiller Bibliothek, die uns ihre Räumlichkeiten während der Symposiumstage zur Verfügung stellt.

Cyrill Lachauer with Bonaventure Soh Bejeng Ndikung and Solvej Helweg Ovesen
INTRO UP- Unsustainable Privileges

Programm zum UP – Unsustainable Privileges Symposium Mittwoch, 26. September 2018 in der Schillerbibliothek »An Invisible Package of Unearned Assets« – On White Privilege 12:00 Uhr Begrüßung und Einleitung von Solvej Helweg Ovesen Gastbeitrag von Paul Mecheril und anschließendem Q&A mit Bonaventure Ndikung 14:30 – 16:00 Uhr Gastbeitrag von Millay Hyatt und anschließendem Q&A mit Solvej Helweg Ovesen BEAST OF NO NATION – Gastro-Politics / Beer launch Emeka Ogboh 16:00 – 19.00 Uhr Beitrag von Carrie Hampel über Empirie im Wedding zum Bier- und Werbeprojekt BEAST OF NO NATION und anschließendem Q&A mit Emeka Ogboh, Jonas Tinius, Regina Römhild und Carrie Hampel Freitag, 28.September 2018 in der Schillerbibliothek »Raupe-Nimmer-Satt-ism« – On Economic Privileges 14:00 – 16:30 Uhr Gastbeitrag von Natasa Ilic, Gastbeitrag von Jelena Bäumler und anschließendem Q&A mit Antonia Alampi Samstag, 29. September 2018 in der Schillerbibliothek »An Invisible Package of Unearned Assets« – Part 2 12:00 Uhr Gastbeitrag von Noa K. Ha und anschließendem Q&A mit Bonaventure Ndikung »Patriarchy Has No Gender« – On Patriarchal Complicities 14:00 – 16:00 Uhr Gastbeitrag von Maria Do Castro Varela und anschließendem Q&A mit Suza Husse Bitte beachten Sie, dass sich das Programm noch etwas ändern kann.

»An Invisible Package of Unearned Assets« – On White Privilege In diesem Panel möchten wir über unsere Verantwortung sprechen, weiße Privilegien sichtbar zu machen um sie zu relativieren und außer Kraft zu setzen. Außerdem sollen in diesem Zusammenhang konkrete antirassistische Handlungsansätze, etwa bei Themen wie der Öffnung von kulturellen Institutionen und intersektionaler Antidiskriminierung, thematisiert werden. Privilegien sind oft Teil einer global etablierten hegemonialen Machtstruktur. Eine Machtstruktur, die, wie Paul Mecheril in »Die Dämonisierung der Anderen« feststellt, sich in jüngster Zeit zunehmend in Richtung einer »fortschreitenden Normalisierung rassistischer Praxis« entwickelt.1 Millay Hyatt teilt mit uns ihren Versuch einer selbstreflektierten Position als weiße Privilegierte in Berlin sowie ihre Auseinandersetzung mit diskriminierenden Zuschreibungen im deutschen Sprachraum. Noa Ha verweist in »Perspektiven urbaner Dekolonisierung: Die europäische Stadt als ‚Contact Zone‘« auf die »Dauerhaftigkeit von Rassismus in westlichen Gesellschaften«.2 Ihre diesbezügliche theoretische Perspektive als Ausgangspunkt nehmend, ist eine anschließende Diskussion über von Rassismus geprägte Privilegien in Berlin vorgesehen. »Raupe-Nimmer-Satt-ism« – On Economic Privileges Hegemonien genießen das Privileg hinsichtlich ihrer spezifischen ökonomischen Strukturen und Dispositionen undurchschaubar zu verbleiben. Da kapitalistische Privilegien eine zentrale Rolle in der Intersektionalität von Gender und kritischer Weißseinsforschung spielen, wird in diesem Panel diskutiert, welche Möglichkeiten hinsichtlich der Schaffung von Handlungsalternativen aus der ökonomischen Perspektive bestehen. Natasa Ilic gibt Einblicke in ihre Arbeit in dem Kollektiv »What, How & for Whom / WHW« und in die Intransparenzen der Kunstfinanzierung. Der Kunstraum wird hier als ein, mit der Gesellschaft verbundenen, Möglichkeitsraum verstanden, der die Ausübung neuer ökonomischer Praxen erlaubt. So werden aus der juristischen Perspektive von Jelena Bäumler Ungleichheitsmechanismen beleuchtet und Einblicke in Handlungskonzepte von Seiten des Völkerrechts gegeben. Antonia Alampi (Forschungsprojekt »Future Climate«) moderiert anschließend ein Gespräch zu diesen Themen. »Patriarchy Has No Gender« – On Patriarchal Complicities Maria do Mar Castro Varela gilt als Expertin im Bereich der Genderstudies und dem postkolonialen Diskurs. Für das Symposium ist besonders ihre kritische, intersektionale Forschung bedeutend, aber auch die Frage wie eine Queer- und Feminismus-Debatte im Kontext von Dekolonisierungsstrategien, sowohl global als auch lokal aussehen könnte. Das Gespräch führt Suza Husse, die sich in ihrer praxisbasierten Arbeit und Forschung im Kunstraum district u.a. kritisch mit (neo)kolonialen und patriarchalen Machtverhältnissen auseinandersetz. »BEAST OF NO NATION« – On Gastro-Politics Im Anschluss an den ersten Tag des Symposiums findet ein Diskurs mit Regina Römhild, Emeka Ogboh, Jonas Tinius und Carrie Hampel zu Emeka Ogbohs fortlaufendem Projekt BEAST OF NO NATION statt. Näheres zum Bierprojekt erfahren Sie über die sozialen Medien, im Besonderen über den Instagram-Account der Galerie Wedding. 1 Castro Varela, M. d. M., Mecheril, P. (Hg.) 2016: Die Dämonisierung der Anderen. Rassismuskritik der Gegenwart. Bielefeld: transcript. 2 Ha, N. (1) Perspektiven urbaner Dekolonisierung: Die europäische Stadt als ‚Contact Zone‘, sub\urban. zeitschrift für kritische stadtforschung, 2(1), S. 27-48. Verfügbar unter: http://www.zeitschrift-suburban.de/sys/index.php/suburban/article/view/106 (14.06.2018).

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