Galerie Wedding

SoS

Soft Solidarity

Unter dem Begriff SoS – Soft Solidarity greift das Kuratorinnenteam Nataša Ilić und Solvej Helweg Ovesen im Jahr 2019 in der Galerie Wedding aktuelle Positionen von in Berlin lebenden Künstler*innen auf und bringt sie mit anthropologischen, gesellschaftspolitischen, aber auch ganz alltäglichen Fragen in Verbindung.

Das Thema Soft Solidarity (SoS) verbindet die Vergangenheit des Berliner Stadtviertels Wedding mit der Gegenwart und schaut auf dessen Hochzeit als Arbeiterbezirk zurück, als es unter »Roter Wedding« bekannt war. »Links, Links, Links – der rote Wedding marschiert!«, so klangen die Parolen der 1930ziger Jahre. Was den Wedding heute charakterisiert, ist die Gemengelage einer post-industriellen und post-migrantischen Bevölkerung und deren aktuellem Bedürfnis, die Gemeingüter dieses Stadtteils neu zu erfassen und zu definieren.

In der Auseinandersetzung mit Fragen, wie Solidarität heute und in der Geschichte wahrgenommen, erzeugt und praktiziert wurde und wird, greifen die Ausstellungen und Arbeiten, die auch im öffentlichen Raum stattfinden, in unser Leben ein. Zukunftsweisende Strategien, um unsere Energieressourcen besser zu nutzen und fairerer zu teilen, sowie Möglichkeiten mit allen Sinnen Gerüche, Geschmäcker, Klang und Berührung wahrzunehmen, werden in Betracht gezogen. SoS ist als Option konzipiert, in patriarchale und gewalttätige Beziehungen einzugreifen und sich dem intensiven Individualismus und den mentalen Blockeffekten der allgemeinen Beschleunigung von Lebensprozessen zu verbinden. Das Programm versteht Solidarität als politischen Konzept und gewünschten, möglichen Antrieb für soziale Organisation in den gegenwärtigen Bedingungen wachsender obskurantistischer politischer Populismen, Fake-News und Post-Privacy. Um der Berufspolitik die Idee von Solidarität zu entziehen und über Bereiche hinweg zu denken, in denen sie verwurzelt ist, interessiert sich SoS für Wirtschaft als Gemeinschaft, Post-Work und Präsenz als Zustand des Geistes, den Körper als ästhetische Spielfläche von Subkulturen und Modetrends und lose Allianzen, die den urbanen  durchdringen.

Mit SoS versuchen wir, die Frage zu beantworten, was im Hinblick auf den solidarischen Habitus gerettet und wie er neu erfunden werden kann. Was könnte man aus dem Zusammenbruch des Sozialismus und der internationalen Solidarität, die um antikoloniale Kämpfe herum entstanden ist, retten? Was bleibt nach dem Abbau der europäischen Sozialdemokratien, ist alles andere als erledigt? Wie kann man langsam, gegen die zunehmende und letztlich sinnlose Beschleunigung von Intensitäten und Wachstumsidealen arbeiten? Wie entmaterialisieren und entschleunigen wir uns selbst? Wie kann man Solidarität in der gegenwärtigen Regimen der Macht denken, die durch »Datenverhalten« und »algorithmische Gouvernementalität« gekennzeichnet ist, in der Entscheidungen durch algorithmische Systeme des statistischen Profilsystems getroffen werden und die Möglichkeit politischer Subjektivität und Handlungsfähigkeit in Frage steht?

Mit freundlicher Unterstützung der Senatsverwaltung für Kultur und Europa, Fonds für Ausstellungsvergütungen und des Ausstellungsfonds für Kommunale Galerien

Kuratorisches Statement/ Curatorial Statement (PDF): Galerie Wedding SoS_Programm 2019 DE/EN

Ausblick 2019: Das Programm SoS– Soft Solidarity in der Galerie Wedding umfasst vier Einzelausstellungen von Alice Creischer, Sissel Tolaas, Peter Voss-Knude und Rajkamal Kahlon. Eine Reihe von performativen Interventionen werden durch diskursive und performative Momente erweitert. SoS untersucht die tiefen Krisen der Solidarität und setzt sich mit der Notwendigkeit, auf die Bedürfnisse der Menschen zu reagieren, auseinander.

Biografien/ Biographies (PDF): Nataša Ilić DE/EN Solvej Helweg Ovesen DE/EN

Alice Creischer

Film-Screening von Episoden zur arbeitsbefreiten Gesellschaft

07.03.2019

Alice Creischer

Ausstellungsrundgang

19.03.2019

REVOLTE! Wir spielen Zukunft.

Workshops für Schulklassen

21.02.2019 bis 06.04.2019

Alice Creischer – Arbeit, Arbeit, nichts als Arbeit

Ausstellungseröffnung

21.02.2019

Alice Creischer

Arbeit, Arbeit, nichts als Arbeit

22.02.2019 bis 06.04.2019

Galerie Wedding