Galerie Wedding

Rajkamal Kahlon

Are my hands clean?

Eine Ausstellung von Rajkamal Kahlon kuratiert von Nataša Ilić

Im Rahmen des Ausstellungsprogramms SoS (Soft Solidarity), konzipiert von Nataša Ilić und Solvej Helweg Ovesen

Eröffnung am 05.12.2019 von 19 bis 22 Uhr
Mit einem DJ-Set von Lamin Fofana von 20 bis 22 Uhr

*please scroll down for English version*

»Are my hands clean?« steht als titelgebende Frage im Raum, die für die Künstlerin wie für die Besucher*innen der Ausstellung gleichermaßen gelten kann. Rajkamal Kahlon beschäftigt sich in ihrem Werk mit einem Umgang mit Geschichte aus postkolonialer Perspektive. Die Künstlerin fordert Zeugnisse der Vergangenheit heraus, vor allem Sprache und Bilder. Sie unterzieht sie einem Perspektivwechsel und versucht dabei ein Bewusstsein für die jeweiligen Entstehungskontexte zu erzeugen. Kahlon interessiert, wie Bildern aus Archiven, die wir (re)produzieren und konsumieren, Hierarchien und Machtstrukturen eingeschrieben sind. Mit ihren Übermalungen und bildnerischen Transformationen untersucht die Künstlerin welche identitätsstiftenden und politischen Implikationen mit solchen inszenierten Abbildungen verbunden sind.

»Seit Kurzem bin ich der Überzeugung, dass die fotografischen und textuellen Spuren von Menschen, denen ich in Kolonialarchiven begegne, tatsächlich noch lebendig sind und etwas von uns verlangen. Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass meine Arbeit eigentlich die Rehabilitation, Transformation und Wiederherstellung der Menschlichkeit, Würde und Schönheit der Menschen ist, die ich in den Archiven finde, mit denen ich arbeite«

Bücher spielen im Werk der Künstlerin eine zentrale Rolle. Für Rajkamal Kahlon sind diese nicht nur Wissens-, sondern auch Bildträger. Durch die Ausstellung »Are my hands clean?« zieht sich eine Wandtapete, die einen Bucheinband aufgreift und auf diese Zusammenhänge verweist. Bücher sind Manifestationen von Machtverhältnissen, an denen sich die Künstlerin abarbeitet.

Durch Zerschneiden und Auseinandernehmen eines Buches, Neuarrangieren der Seiten und deren Übermalungen wird auch Geschichte über- und umgeschrieben. In der Ausstellung zeigt Kahlon eine Serie neuer Gemälde, die auf Frauenporträts aus dem 1904 erschienenen Buch »Die Rassenschönheit des Weibes« von Carl Heinz Stratz basieren. Die Bilder entstehen in einem künstlerischen Verfahren, das Fotografie, Text und Malerei in Lebensgröße überlagert. Der zweite Ausstellungsraum der Galerie verwandelt sich selbst in ein bildgewaltiges Archiv, in dem die aus 300 Zeichnungen bestehende Arbeit »Die Völker der Erde« präsentiert wird, die auf dem gleichnamigen Buch von Kurt Lambert aus dem Jahr 1902 beruht.

Besonderer Dank der Künstlerin gilt Sergueï Spetschinsky für die unzähligen Stunden unsichtbarer Arbeit zur Unterstützung ihrer künstlerischen Arbeit.

Mit freundlicher Unterstützung von der Senatsverwaltung für Kultur und Europa, Fonds für Ausstellungsvergütungen und Ausstellungsfonds für Kommunale Galerien.

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Are my hands clean?

An exhibition by Rajkamal Kahlon curated by Nataša Ilić

within the frame of the exhibition programme SoS (Soft Solidarity), conceived by Nataša Ilić and Solvej Helweg Ovesen

Opening on 05.12.2019 from 7pm to 10pm
DJ-Set by Lamin Fofana from 8pm to 10 pm

»Are my hands clean?« raises the title-giving question, which can apply equally to the artist and the visitors of the exhibition. In her work, Rajkamal Kahlon deals with history from a postcolonial perspective. The artist challenges testimonies from the past, especially language and images. She subjects them to a change of perspective, trying to create an awareness of the respective contexts in which they were created. Kahlon is interested how hierarchies and power structures are inscribed in images from archives that we (re)produce and consume. With her overpaintings and pictorial transformations, the artist examines which identity-creating and political implications are associated with such staged images.

»Recently I have come to think that the photographic and textual traces of people I encounter in colonial archives, are in fact still alive and are asking something from us. I’ve come to think that my work is really one of rehabilitation, transformation and restoration of the humanity, dignity and beauty of the people I find in the archives I work with«

Books play a central role in the artist’s body of work. For Rajkamal Kahlon, these are not only carriers of knowledge, but also of pictorial expression. The exhibition »Are my hands clean?« features a wallpaper that picks up on a book cover and references these connections. Books are manifestations of power relations on which the artist works.

By cutting up and taking apart a book, rearranging the pages and overpainting them, history is also overwritten and rewritten. In the exhibition Kahlon shows a series of new paintings based on portraits of women from the 1904 book »Die Rassenschönheit des Weibes« by Carl Heinz Stratz. The pictures are created in an artistic process that superimposes photography, text and life-size painting. The gallery’s second exhibition space transforms itself into a powerful archive consisting of 300 drawings that form the project »Die Völker der Erde«, based on the book of the same name by Kurt Lambert from 1902.

The artist’s special thanks goes to Sergueï Spetschinsky for countless hours of invisible labor in support of her artistic work.

With kind support of the Senate Department for Culture and Europe, Berlin, funds »Ausstellungsvergütungen« and exhibition funds for communal galleries.

Kuratorischer Text – Nataša Ilić im Gespräch mit Rajkamal Kahlon Curatorial Text – Nataša Ilić in conversation with Rajkamal Kahlon

Biografie der Künstlerin Artist biography

Begleitveranstaltungen 07.12.2019 um 16 Uhr Ausstellungsrundgang mit Künstlerin Rajkamal Kahlon und Kuratorin Nataša Ilić 16.01.2020 um 19 Uhr Gespräch mit Künstlerin Rajkamal Kahlon und Autorin und Kulturtheoretikerin Ana Teixeira Pinto *** Further events 07.12.2019 at 4 pm exhibition tour with the artist Rajkamal Kahlon and curator Nataša Ilić 16.01.2020 at 7 pm talk with artist Rajkamal Kahlon and author and cultural theorist Ana Teixeira Pinto  

Photos: Marlene Burz

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