Galerie Wedding

Alice Creischer

gemeinsam mit Eva Ďurovec (Performance und Kostüm), María Fernández Verdeja (Performance und Kostüm), Margarita Tsomou (Performance) und Andreas Siekmann (»Blatt zu Bitcoin«).

22.02.-09.02.2019

Die Ausstellung Arbeit, Arbeit, nichts als Arbeit von Alice Creischer bildet den Auftakt des diesjährigen Programms der Galerie Wedding SoS (Soft Solidarity), gemeinsam konzipiert von Nataša Ilić und Solvej Helweg Ovesen. SoS untersucht die tiefe Krise der Solidarität oder besser die Notwendigkeit,  neue Formen von Solidarität zu erfinden. Die Ausstellung ist kuratiert von Nataša Ilić.

Die Wertschöpfungsketten einer kapitalistischen Gesellschaft basieren immer auf einem Machtgefälle, das das arbeitende Subjekt als Ressource versteht und es zu Effizienz drängt. Zur gleichen Zeit werden die Arbeitsbedingungen immer weiter flexibilisiert und münden in eine Unsicherheit, die sich sogenannten flexibilisierten Arbeitsverträgen spiegeln. Alice Creischer interessiert sich genau für dieses zunehmend prekärer werdende Verhältnis zwischen dem Individuum, Arbeit und den Möglichkeiten einer arbeitsfreien Gesellschaft:

»Wir können einen Eindruck von einer Gesellschaft ohne Arbeit bekommen, wenn wir uns spezielle Situationen anschauen, vielleicht auch Situationen zum Verzweifeln. Das ist es, was wir in Argentinien nach der Krise von 2001 und in der Zeit von neuen sozialen Bewegungen erfahren haben. Es gab sehr viele Situationen in denen die zusammen gearbeitet, kommuniziert, geschrieben, protestiert und sogar gesungen haben. Auf völlig neue und kollektive Weise.« (Alice Creischer)

In ihrer Arbeit beschäftigt Alice Creischer sich hauptsächlich mit Themen wie Wirtschaft und Geld, Macht und Machtlosigkeit, so wie Armut und Reichtum. Das zentrale Thema ihrer künstlerischen und theoretischen Arbeit ist die akribische und komplexe Darstellung von Prozessen und Mechanismen in Politik, Wirtschaft und Kultur. Dabei geht sie oft von realen historischen oder gegenwärtigen Ereignissen aus und bettet sie in neue und freiere Erzählungen ein.

Die letzte Recherche von Alice Creischer (zusammen mit Andreas Siekmann) widmete sich dem Bitcoin, einer alternativen Währung, die aus einer anti-staatlichen und anti-monopolistischen digitalen Bewegung heraus entstanden ist. In ihrem neuen Film Schlüsselbund, Zähne, Knochen und Falschgeld (2017) untersucht Creischer zu was es führt, wenn die Blockchain-Technologie auf den Mythos der absoluten und dezentralen Transparenz trifft. Die Auswirkungen der Blockchain-Technologie folgend auf die neue Form der staatlichen und privaten Kontrolle, sowie der Erfassung von Daten entwickelt Creischer einen spekulativen Vorschlag gegen den zerstörerischen Trend der Wertschöpfung und übersetzt ihn in eine komplexe Formsprache.

Der zweite Teil der Ausstellung bezieht sich auf die Aufführung Die Pauschalreise, die 1989 im Kunstraum Wuppertal stattfand.  Der Text wird in einer Installation vorgelesen. Der Prolog dazu wird in einem Video gezeigt.  Der Text handelt von drei Arbeiterinnen einer Spinnerei, die als Los eine Pauschalreise nach Griechenland gewinnen. Aber dort – in diesem imaginären Ort – fühlen sie sich überflüssig, weil sie nicht arbeiten.  Unter dem Titel Arbeit, Arbeit, nichts als Arbeit reflektiert die Ausstellung über die zunehmende Entfremdung immer komplexer werdender Arbeitsprozesse und  Formen von Wertschöpfungen, sowie einem möglichen Ausweg über die Kollektivierung und Solidarität.

Begleitveranstaltungen
Film-Screening von »Episoden zur arbeitsbefreiten Gesellschaft«, 1996-2002 begleitet von einer Disskusionsrunde mit Alice Creischer, Andreas Siekmann und Margarita Tsomou, moderiert von Nataša Ilić am 7. März um 18 Uhr.

Ausstellungsrundgang am 19. März um 17:30 mit Alice Creischer und Nataša Ilić.
Weitere Führungen
sind auf Anfrage möglich.

Mit freundlicher Unterstützung der Senatsverwaltung für Kultur und Europa, Fonds für Ausstellungsvergütungen und des Ausstellungsfonds für Kommunale Galerien.

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Arbeit, Arbeit, nichts als Arbeit
Alice Creischer

Together with Eva Ďurovec (actor and costume), María Fernández Verdeja (actor and costume), Margarita Tsomou (actor) and Andreas Siekmann (»Blatt zu Bitcoin«).

22.02. – 06.04.2019

Alice Creischer’s exhibition Arbeit, Arbeit, nichts als Arbeit (»Work, Work, Nothing but Work«) marks the beginning of the new yearly program of Galerie Wedding SoS (Soft Solidarity), conceived by Nataša Ilić and Solvej Helweg Ovesen. SoS (Soft Solidarity) explores the deep crises of solidarity, or rather the need to reinvent new forms of solidarity. The exhibition is curated by Nataša Ilić.

The value chains of a capitalist society are always based on power relations which understand the working subject as a resource and pushes it constantly towards more efficiency. At the same time, contemporary conditions of labor result in increasing insecurity, which is reflected in more flexible limited-time contracts. Alice Creischer is particularly interested in the increasingly precarious relationship between the individual and labor and possibilities of a post-work society:

»We can get a perspective on the society without labor when we are in special situations, maybe also in desperate situations. That is what we experienced in Argentina after the 2001 crisis and in the time of the new social movements. There were so many situations in which people were working, communicating, writing, protesting, even singing, in new and collective ways.« (Alice Creischer)

In her practice Alice Creischer deals mainly with topics such as economy and money, power and powerlessness, as well as poverty and wealth. The central theme of her artistic and theoretical work is the meticulous and complex visualization of processes and machinations in politics, economics and culture. Creischer often chooses a real historical or present point of reference and embeds it in a new and freer narrative.

Her latest research focus (in collaboration with Andreas Siekmann) is the bitcoin, an alternative currency that emerged from an anti-state and anti-monopolistic digital movement. In her film Schlüsselbund, Zähne, Knochen und Falschgeld (»Keyring, teeth, bones and funny money«, 2017) Creischer examines to what extent the blockchain technology overlaps with the myth of absolute and decentralized transparency. Following the impact of blockchain technologies on the new design of state and private control, as well as the recording of information, the artist makes a speculative suggestion against the destructive trend of value creation today and translates it into a complex visual language.

The second part of the exhibition is based on the piece Die Pauschalreise (»The Package Tour«), which premiered in 1989 at the Kunstraum Wuppertal. The text will be read in an installation and the prologue to it will be shown in a video. The text is about three workers in a spinning mil, who win a package tour to Greece in a lottery. But there, in this imaginary place, they feel superfluous because they are not working. Under the title Arbeit, Arbeit, nichts als Arbeit (»Work, Work, Nothing but Work«), the exhibition reflects on the increasing alienation in more complex work processes and creation of values, as well as on possible ways out of it through collectivization and solidarity.

Further events:
Film screening of Episoden zur arbeitsbefreiten Gesellschaft“ (Episodes of a society free of work), 1996-2002 accompanied by a panel discussion with Alice Creischer, Andreas Siekmann and Margarita Tsomou, moderated by Nataša Ilić on 7th of March at 6pm.

Tour through the exhibition on the 19th of March 2019 at 5.30pm with Alice Creischer and Nataša Ilić.

With kind support of the Senate Department for Culture and Europe, Cross-disciplinary funding and funds „Ausstellungsvergütungen“.

Galerie Wedding